Archiv der Kategorie 'Alltagshelden'

10. Januar 2016

Januar 17th, 2016

Der 10. Januar 2016. Das war jetzt genau vor einer Woche. Das war das letzte Mal, dass ich Lea, unsere Kollegin und Azubi im 2. Lehrjahr sah. Sie kam am Abend bei einem Autounfall ums Leben. Ich hatte mit ihr Sonntagsdienst gehabt und nun bin ich die letzte, die sie lebend sah. Lea starb noch an der Unfallstelle. Niemand war schuld. Und ich möchte hiermit meine Trauer ausdrücken und ihrer Familie und allen anderen Angehörigen viel Kraft wünschen. Es tut mir so leid.

Lea war 18 Jahre alt und eine so liebe Person. Die meisten Mädels auf der Arbeit sind Lästermäuler (ich weiß nicht, ob ich da besser bin) aber Lea war nie so. Wenn man ihr etwas anvertraute, blieb es bei ihr. Wir waren keine Freundinnen, aber ich mochte sie wirklich gerne als Kollegin. Sie war immer etwas verpeilt, vergaß immer den Deckel der Hundefutterdose ganz abzumachen und schnitt sich jedes Mal aufs Neue in den Finger. Wir mochten sie. Sie war einfach liebenswert. Das letzte was sie mir erzählte war, wie ihre neue Wohnung aussehen wird, in die sie mit ihrem Freund einziehen wollte. Und nun ist sie tot.

„Lea ist tot.“ ist ein Satz der mir die Tage immer und immer wieder durch den Kopf ging. Einfach weil ich es nicht glauben konnte. Ich kann es noch immer nicht glauben. Es ist, als hätte sie einfach lange frei. Es wird nur langsam Stück für Stück real. Durch die Gegenstände, die noch von ihr auf der Arbeit liegen. Das Andenken, was auf der Arbeit für sie aufgebaut wurde, die Kerzen, die wir für sie anzünden.

Ich hatte immer eine geheime Angst. Dass wenn etwas Schreckliches passieren würde, ich keine Gefühle dafür hatte. Weil es bisher immer so war. Als meine Uroma starb war da nix. Ich hatte aber auch keinen sonderlichen Kontakt zu ihr. Als unser Kollege starb war da auch nix. Er war kein netter Mensch. Ich mochte ihn nicht, er war ein Arschloch. Aber ich dachte immer, das gehört zum Anstand, traurig zu sein, auch über Leute, die man nicht mag, aber kannte.
Als ich die Nachricht über Leas Tod bekam war ich mit meiner Mutter im Ikea. Die Bürodame rief mich Montag früh an und erzählte es mir. Meine einzige Reaktion war zunächst ein „Oha, ok.“. Ich weinte ein paar sehr kurze Tränen uns im nächsten Moment, nun… ging ich weiter einkaufen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, hatte das Gefühl nach Hause zu müssen, aber da war zunächst keine Trauer. Und das bestätigte die Angst, die ich hatte. Dass ich nichts empfinde bei einer solchen Tragödie. Doch auf den Heimweg dann, wo ich nicht mehr abgelenkt war, brach alles heraus und ich heulte wie ein Schlosshund. Ich rief meinen Freund an und heulte weiter. Und über den Tag verteilt habe ich immer wieder geweint. Mir geht es wirklich nahe.

Du schaust fern und denkst – wie können die Sender es wagen Comedy zu zeigen? Du gehst auf Twitter und hasst jeden, der einen Witz twittert. Alle weinen über David Bowies Tod und du denkst, ihr Arschlöcher, wer interessiert sich für David Bowie? Klar sind das alles dumme Gedanken, denn die Welt dreht sich nicht um Lea, aber in dem Moment tat sie es. Für mich.

Ich fragte mich, wie es für sie war. Was hat sie im Moment des Unglücks gedacht? Kann man etwas in so einer Situation denken? Weiß man, dass gleich alles vorbei ist? Denkt man an die Dinge, die man noch tun wollte? Das sind Dinge, die man nie erfahren wird und doch denke ich weiter drüber nach. Alles war auf einmal so unbedeutend. Die Probleme, die ich kürzlich noch auf der Arbeit hatte wirkten so lächerlich. Wie kann man sich nur über solche Dinge beschweren?

Und all das empfinde ich, obwohl wir uns nicht besonders nahestanden. Sie war meine Kollegin und ich mochte sie, aber wir waren keine Freunde. Ich kann und will mir nicht vorstellen, wie es für die Familie sein muss. Es ist eine Woche her und der Alltag ist auf die Arbeit zurückgekehrt. Das wird bei Leas Familie nicht der Fall sein. Der Alltag wird lange auf sich warten lassen. Ich weiß nicht, wie es ihrer Familie geht aber es muss die Hölle sein.

Ich wünsche der Familie alle Kraft der Welt und Lea den Frieden, den sie verdient hat, auch wenn er viel zu früh kam.




Die Geschichte des Frankenspitzes.

September 12th, 2014

Lange Zeit war es still hier auf dem Blog. Aber nicht nur, dass durch permanenter Unterbesetzung meine Arbeit viel von mir abverlangt, auch waren die letzten drei Wochen voller Sorgen.
Eine dumme Sache, einmal nicht aufgepasst und schon war es geschehen. Mein Hund wurde gebissen.

Ein herzzerschmetternder Schrei und ein zitternder von Angst erfüllter Hund. Ich war zum Glück auf der Arbeit, wo wir im Praxisraum Material zur Erstversorgung hatten. Erst sah das alles halb so wild aus, sodass wir erst mal die Wunden spülten. Die Kollegin (danke nochmal, Nadine!) nahm das H2O2 und das Blut sprudelte aus den Wunden heraus und mein Hund begann wieder zu schreien und hatte nun Angst vor der Kollegin. Wahrscheinlich weil das Zeug ein wenig brennt. Aber wahrscheinlich mehr, weil es wirklich es sprudelt und schäumt und ihn das erschreckte.

Als die eine Wunde am Kopf sauber war, sah ich doch ein, dass er zum Arzt muss. Ein sehr tiefer Biss, bis auf den Schädel hinunter. Schnell den Notdienst angerufen und so schnell es geht zur Kleintierklinik in Alzenau gefahren, denn auch die Wunde am Hals hörte nicht auf zu bluten.

Eine furchtbare 20-Minutenfahrt später standen wir in der Klinik und er wurde begutachtet. Sie wollten ihm das Fell wegscheren, damit man die Wunden besser sah, aber wieder brach er in Panik aus. Es musste eine Narkose sein, um die Wundversorgung, die sich später als sehr schwierig herausstellte, machen zu können. Wir warteten eine Stunde im Regen und in der Kälte.
Als wir wieder reindurften sah ich das Schlimmste, was ich je sehen musste. Mein Hund in völliger Angst, frisch aus der Narkose erwacht, verkabelt in einer Art Brutkasten, damit er nicht unterkühlte. Er fiepte, dass mir das Herz wehtat. Deswegen verließen wir so schnell wie möglich wieder das Zimmer.
Die Ärztin war sich nicht sicher, ob der eine tiefe Biss den Schädel verletzt hat. Deshalb musste er über Nacht in der Klinik bleiben. Auch war sein Kaumuskel angeschlagen, dass er nichts Festes zu sich nehmen konnte und sich sogar übergab, wenn man doof an die Wunde kam.

Am nächsten Tag musste ich natürlich arbeiten und es war der furchtbarste Sonntag überhaupt. Jedoch rief ich in der Klinik an und immerhin eine Entwarnung: Der Schädel war entweder unversehrt oder hatte nur einen Haarriss, sodass nichts schlimmeres passieren konnte. Meine Mutter tat mir den Gefallen und holte ihn aus der Klinik ab. Auch wenn mir die Kosten in dem Moment egal waren, meine erste Rechnung belief sich auf 493 Euro.

Ich sah meinen Hund das erste Mal in der Mittagspause wieder. Er war voller Schmerzmittel und Antibiotika. Eine Drainage ragte aus seinem Kopf und eine weitere war unter einem dicken Halsverband versteckt. Er stank nach Desinfektionsmittel und es ging ihm einfach nur mies. Logisch. Eine Nacht bei Fremden, was er gar nicht ab kann, der Schock und die starken Schmerzen.
Zuhause fraß er nichts, bis ich wieder heimkam. Dann fraß er ein paar Brocken Nassfutter, denn Trockenfutter sollte er noch nicht bekommen.
Den folgenden Tag waren wir nach Feierabend wieder abends in der Klinik. Verbandswechsel, weitere Antibiotika und jetzt noch zwei verschiedene Augentropfen, da seine Pupillentätigkeit unterschiedlich schnell waren. Er hatte einen Stoß am Auge abbekommen. Das Auge knapp verfehlt und was ich dann noch erfuhr: Die Bisswunde am Hals hätte nur einen halben Zentimeter tiefer sein müssen und es wäre die Hauptschlagader und somit vorbei gewesen. Was ein Glück!

Da die Halswunde noch immer leicht blutete konnten die Drainagen noch nicht raus. Die nächsten Tage hatte ich frei, aber er musste sich schonen und so gingen wir nur dreimal je fünf Minuten Gassi. Und jeden Tag zum Verbandswechsel und Kontrolle wieder zur Klinik. Eine anstrengende Zeit. Einige bunte Halsverbände in den Farben blau, weiß, gelb mit Knochenmuster und meinem Highlight, dem Giraffenmuster später wurden endlich die Drainagen gezogen. Dann hatten wir einige Tage Klinikfrei, denn den Halsverband konnten wir selbst wechseln. Mit jedem Tag in der Klinik stieg die Rechnung um je 50 Euro. Ganz schön teuer so ein Hund!

Aber es ging ihm immer besser und mir somit auch. Es begang jedoch die Hautstelle am Hals abzusterben, was der Ärztin Sorgen bereitete. Zum Glück hielt sich die Nekrose in Grenzen und es wurde doch nur zu einer Kruste, die schnell von selbst abfiel. Dann war es endlich soweit. Der letzte Tag, an dem wir wieder zur Klinik düsen mussten. Die Fäden im Kopf und Hals wurden endlich gezogen und freundlicherweise bekam ich diese letzte Behandlung von der Klinik geschenkt. Nicht mehr lange und der Halsverband war Geschichte. Der wurde eigentlich nur noch gebraucht, damit der Trichter, den er die ganze Zeit tragen musste, nicht an der Wunde am Hals scheuerte. Diese war aber sauberverheilt. Jetzt fehlten nur noch die drei Löcher im Kopf. Die musste soweit verheilen, dass die Krusten abfallen, damit ich den Trichter endgültig abnehmen konnte. Und heute war es soweit, er hat seinen ersten Trichterfreien Tag in drei Wochen!

Jetzt hatte ich nur Angst, dass er eine Verhaltensänderung durchmachte. Zumindest vor anderen Hunden. Dass er Angst bekommt, ob nun bei allen oder nur bei großen oder gar nur bei großen Weißen?
Bisher aber verhält er sich wie immer. Rennt trotz Trichter auf andere Hunde zu und ist fröhlich wie eh und je. Der Hündin, die ihn biss, ist er bisher allerdings noch nicht begegnet. Ich bin gespannt, was er zu ihr sagt. Alles in allem war es ein großes Glück im Unglück. Wäre die Hündin wirklich auf einen Kampf ausgewesen, wäre mein Hund – so muss man es sagen – schlichtweg tot. Das Größenverhältnis stimmte einfach nicht und wenn ein 6,5 kg Hund einen Warnschnapper von einer 50 kg Hündin abbekommt, sehen die Spuren eben härter aus, als wenn gleich große Hunde mal eine Meinungsverschiedenheit haben.

Und bevor jetzt irgendwelche Empörungswellen hier einbrechen: Nein, die Halterin ist nicht unverantwortlich und die Hündin ist auch nicht gefährlich oder bissig. Und auch ist es nicht so, als hätte sie ihre Hündin nicht unter Kontrolle. Im Gegenteil, die Hündin ist top erzogen und lebt prima zusammen mit Kind und Katz in einer Familie. Mein Hund und sie kennen sich von kleinauf und es gab nie Grund zur Sorge. Es war eine blöde Rangelei zwischen zwei Hunden, die einfach mal dumm ausgegangen ist.
Das schreib ich, weil ich in Twitter schon eine „Diskussion“ dazu hatte.
Meine Kosten belaufen sich jetzt auf 668 Euro, aber wir sind dabei, das mit ihrer Versicherung zu klären. Hauptsache meinem Baby gehts gut!




Geocaching Niedernberg/Stockstadt

August 6th, 2014

Endlich war es mal wieder so weit und wir taten etwas für unsere Statistik. Zählte ich bisher gerade mal 12 Geocaches bin ich jetzt bei 28, das heißt an einem Tag schafften wir 16 Geocaches. Guter Schnitt! Zugegeben, es waren zusammenhängende Caches auf einer Strecke, aber Spaß macht es trotzdem und das ist die Hauptsache.
Um 9:30 Uhr startete ich mit Hund im Gepäck Richtung Tierheim/Hundeschule, wo unser Treffpunkt war. Von weitem kam auch schon meine allerliebste Lieblings-My mit einem beigen Hund. Im Irrglauben, das sei Mücke, den ihr vielleicht aus meinen alten Blogposts kennt, ließ ich meinen Hund los. Er rannte auf das beige Hündchen zu… bis es zu schreien begann. Mücke hatte sich kurz vorher auf dem Hundeplatz die Kralle ausgerissen und konnte nicht mit. Als Ersatz brachte My die kleine Skrållan, die immer etwas übertrieben auf andere Hunde reagiert. Nun gut, Schock überstanden und mein Hund hielt von nun an Abstand zu dem Zwerg.

Wir fuhren dann Richtung Stockstadt, suchten uns einen Parkplatz und los ging die Tour. Die Caches waren eine Gruppe von eigentlich 10 Stück, wobei wir von Anfang an den 10. wegließen, weil er irgendwie laut GPS völlig woanders lag bzw. auf der anderen Seite einer starkbefahrenen Hauptstraße… zu gefährlich für unsere Hunde. Außerdem gab es keinen Cache, der die Nummer 2 trug. Also nicht, dass wir ihn nicht gefunden haben, er wurde gar nicht erst auf unserer Karte angezeigt.

Die Caches dieser Tour befanden sich alle in kleinen braunen Plastikflaschen. Die meisten waren nicht weit vom Wegesrand in irgendwelchen alten Baumstümpfen. Nur manche waren auf Bäume gehängt oder in Astlöchern versteckt und meistens sehr einfach zu finden. Eben reine Statistik-Caches. Überall wo ich meine Hand reinsteckte, war auch eine Hundenase drin. J.D. scheint das Geocachen auch spannend zu finden. Was vielleicht aber einfach nur daran liegt, dass er es liebt über Stock und Stein zu krackseln und über Gebüsche zu hüpfen. Ich war mir sicher, der schläft diesen Abend gut.

Das erste Mal war ich in einer Situation, in der Geocaching gefährlich sein konnte. Man hörte ja immer ganz gerne in den Medien, dass Geocaching ja so gefährlich sein soll. Aber naja, man kennt ja die Medien. Nun war es so, dass mir ein Cache an einem Baum angezeigt wurde. Ein verdächtiges Astloch wäre die perfekte Versteckmöglichkeit gewesen, also griff ich rein… bis drei Hornissen rausflogen. Es waren nur drei und sie fühlten sich auch nicht bedroht, aber die Vorstellung, ich hätte gerade fast in ein Hornissennest gegrifft… das wäre nicht sonderlich gut gewesen. Der Cache war dann doch unter einem Stein gelegen und die Hornissen nahmen mir den Fehlgriff nicht übel.

Als wir alle eingesackt haben waren doch erst 1,5 Stunden vergangen. Wir hatten deutlich mehr Zeit eingeplant. Also zurück zum Tierheim und dort Pause machen. Wir gingen in den Schönbusch Park, trafen ein Gassigänger des Tierheims und aßen unser Fresspaket, das mal wieder viel zu groß war. Wir suchten eine weitere Strecke in der Nähe und entschieden uns für eine kleine Tour in Niedernberg. Vorher loggte ich allerdings den Schönbusch-Cache, den ich schon zweimal gesucht habe, aber nie fand. Jetzt habe ich ihn endlich!
Ein kurzer Zwischenstopp im Tierheim, um da über Google Earth rauszufinden, wie wir überhaupt zur neuen Strecke kommen, denn die Handys mussten Akku sparen. So viel GPS strengt an!

Wieder ins mittlerweile viel zu heiße Auto verfuhren wir uns erstmal und standen irgendwo mitten auf dem Feld. Aber irgendwie habe ich uns da wieder rausmanövriert und fanden einen Parkplatz für die nächste Tour. Wir waren so verdammt klug und fingen mit dem nächstgelegenen Cache an… der allerdings laut Karte der letzte der Tour war. Wir dachten uns, das sei ja egal, aber hinterher hatte es Sinn gemacht, die richtige Reihenfolge zu laufen – wir latschten die ganze Zeit bergauf.
Das war eine recht kurze aber hübsch Tour mit nur einem nicht gefundenen Geocache. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Cache einfach weg war, weil die Beschreibung war extrem genau und viele Möglichkeiten gab es nicht. Trotz Brennnesselbegegnung fand ich ihn nicht. Brennnesseln gehen übrigens prima durch Strumpfhosen.

Der definitiv schönste Ort war eine kleine Hütte mit Ausguck. Fragt mich nicht warum, aber ich habe kein Foto gemacht. Ich Idiot. Aber dort befand sich der definitiv größte Cache der ganzen Tour. Und es war ein Twix darin. Ich frag mich, wer würde das essen?
Nach 7,5 Stunden Geocachen war dann die Energie doch raus und es ging noch kurz in die Hundeschule und dann ab nach Hause.
Insgesamt ein wunderschöner Tag und die nächste Strecke haben wir uns auch schon auserkoren!