Dank Anarchox kam ich in den Genuss, Alice: Madness Returns nun doch spielen zu können und habe nun auch einige Stunden vor dem Spiel verbracht.
Zunächst einmal habe ich viel gelesen, wie Spieler das Gameplay zerissen haben. Von Plattform zu Plattform springen, Gegner niedermetzeln, ab und an mal ein paar Rätsel lösen, schien ihnen zu langweilig zu sein. Ich frage mich ehrlich gesagt, was man immer erwartet? Muss denn wirklich jedes Spiel mit einer grandiosen Neuerung daher kommen? Springen, Kämpfen, Rätseln hat sich doch schon oft genug bewährt und mit einer guten Story und einer atmosphärischen Welt reicht mir das eigentlich völlig. Zumal diese drei Dinge üblich für das Hack’n'Slay Genre sind und wem allgemein Hack’n'Slay zu wenig ist, lässt man eben die Finger davon.
Allgemein erinnerte mich das Spiel sehr an Dante’s Inferno, sowohl vom Gameplay her, als auch von der Aufmachung der Zwischensequenzen. Beide Sequenzen sahen aus wie Holzschnittarbeiten, allerdings aus Papier und eben 2D, ist schwer zu erklären, wenn ihr es gesehen habe, wisst ihr denke ich, was ich meine und erkennt auch die Gemeinsamkeit. Und ebenfalls wie bei Dante überzeugt vor allem die Story und die Atmosphäre, die mich total mitgerissen hat.
Zur Story: Vor einigen Jahren verlor Alice ihre Familie bei einem Hausbrand, woran sie sich jahrelang selbst die Schuld gab. In ihrer Verzweiflung flüchtete sie in eine selbst erschaffene Welt in ihren Gedanken: Dem Wunderland. Doch dieses wird nun von einem infernalischen alles zerstörenden Zug bedroht, der durchs gesamte Wunderland fährt und es in Trümmern zurücklässt. Um sich selbst und ihren Verstand zu retten, muss Alice das Wunderland retten und andersrum muss sie ihren Verstand retten, um das Wunderland zu retten.
Soviel dazu, die Story ist ziemlich psycho, aber das gefällt mir? Alice’ Wahnsinn schwingt besonders in den Zwischensequenzen mit und sie schwankt immer auf dem schmalen Grad zwischen Irrsinn und Normalität. Aber nicht nur dies hilft der Atmosphäre sehr, sich aufzubauen, auch die Grafik trägt einen großen Teil dazu bei. Diese ist zwar nicht die allerneuste ist, muss sie aber auch nicht sein, denn der Stil passt hervorragend zur Story, finde ich. Auch die Kampfanimationen, wie z.B. das Ausweichen fand ich sehr schön gemacht. Man hatte richtig Spaß mit ein wenig Taktik an die Sache ranzugehen. Gegnerverhalten zu beobachten, im richtigen Moment auszuweichen oder zu blocken…ja so richtig gemetzelt habe ich dann doch irgendwie nicht, sondern wirklich hübsche Kämpfe mit Taktik bestritten, sofern das bei Hack’n'Slay möglich ist.
Ich mochte aus den Wechsel zwischen der echten Welt und dem Wunderland. Im Wunderland trug Alice hübsche Kleider, mit glänzendem Haar und ausdrucksstarken Augen, wohingegen sie in der realen Welt struppige Haare und ein vergilbtes dreckigs Kleid trug. Und auch wenn diese beiden Welten irgendwann verschwammen, trug das auch gut dazu bei, den Unterschied zwischen Alice’ beiden Geisteszuständen zu zeigen.
Apropos Welten! Die waren auch allererste Sahne. Anfangs noch sehr verspielt und hübsch, wurden sie später immer dunkler und bizarrer. Wo man anfangs noch über eine saftige grüne Wiese, aus der Dominosteine wuchsen lief, fand man sich später in einem Schloss aus Adern und Aterien bestehend wieder. Ja, das Schloss der roten Königin war wirklich wunderschön gemacht. Und der Gang durchs Irrenhaus war fast schon sowas wie mein persönliches Highlight, obwohl ich mir mehr solcher Stellen gewünscht hätte. Mehr von der komplett durchgedrehten Alice!
Und wie gesagt, die Story riss mich mit, denn Stück für Stück kamen mehr Erinnerungen zutage und mehr Ungereimtheiten bezüglich des Brandes, in dem Alice’ Familie umkam. Denn irgendwas war da nicht ganz koscher. Das Ende war eigentlich fast schon vorraussehbar. Beziehungsweise wusste ich recht schnell, wer der große Oberbösewicht war, jedoch nicht, wie genau er in die Sache involviert war, was er Alice angetan hat usw. aber ich muss sagen, von der Aufmachung her hat mich das Ende doch etwas enttäuscht. Die Idee war gut, aber die Umsetzung war irgendwie langweilig. Ich hätte mir irgendwas epischeres gewünscht und hätte Alice gerne noch einmal so richtig austicken sehen, aber irgendwie war sie mir viel zu gefasst und selbstbewusst in dem Moment. Das hätte ich mir anders gewünscht.
Nun ja, wie ihr seht, ich bin ziemlich begeistert, trotz keiner bombastischen Neuerung am Gameplay. Mir gefiel es sehr, weil der Stil, die Story, die Aufmachung genau mein Geschmack ist. Wahnsinn bis zum Umfallen in bizarren Welten. Genau mein Ding!
Jedoch bin ich mir eben nicht sicher, wie es den Hardcore-Zockern gefällt, die ja nun wirklich lächzend auf jedes neue Spiel warten. Ich bin da eben etwas genügsamer, denn wenn die Story und der Spielspaß stimmt, spiele ich auch 15 Jahre alte Spiele. Ob euch das Spiel gefällt oder nicht, muss eben jeder selbst wissen. Für mich ist es großartig.